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„130 %-Rechtsprechung“ gilt nur bei sechsmonatiger Weiternutzung des Fahrzeuges

Donnerstag, 21. August 2008

Es entspricht zwischenzeitlich der gefestigten Rechtsprechung, dass der Geschädigte eines Verkehrsunfalls vom Schädiger Reparaturkostenersatz in Höhe von bis zu 130 % des Neuwertes des verunfallten Pkws erhalten kann. Mit Urteil des Bundesgerichtshofes vom 22. April 2008 (VIII ZR 237/07) wurde rechtskräftig entschieden, dass dieser Regelfall nur dann gilt, wenn der Geschädigte das Fahrzeug nach dem Unfall mindestens sechs weitere Monate nutzt. Wird das Fahrzeug nach dem Unfall verkauft (repariert/unrepariert) kann der Geschädigte nur den Wiederbeschaffungswert abzüglich des gegebenenfalls noch bestehenden Restwertes vom Schädiger ersetzt verlangen.

Die Auswirkung der Entscheidung für die Praxis sind erheblich. Sie zwingen den (unverschuldeten) Geschädigten, die Reparatur zumindest in Höhe von 30 % des Wiederbeschaffungswertes des Pkws vorzufinanzieren. Denn der Geschädigte hat unmittelbar nach dem Unfall nur einen Ersatzanspruch, den Betrag des Wiederbeschaffungswertes des Pkws nicht übersteigt. Für die restlichen 30 % muss der Geschädigte zunächst eigene finanzielle Reserven verwenden. Insbesondere bei teuren Fahrzeugen belastet dies den Geschädigten über Gebühr. Gegebenenfalls kann er nach weiteren sechs Monaten Zinsen vom Gegner verlangen. Für die Bearbeitung eines Unfalls bedeutet dies jedoch, dass mit einer durchschnittlichen Bearbeitungsdauer von weniger als sechs Monaten nicht gerechnet werden kann.